Wolfgang Zurborn

 

Im Zentrum der Geschwindigkeit

 

 

1995 bis 1996

Der Bau des Tunnels unter dem Ärmelkanal ist das Symbol für die Konstruktion Europas und die Erschliessung seines Territoriums. Bei dieser Erschliessung stehen Hochgeschwindigkeitskommunikations– und Verkehrsnetze an privilegierter Stelle. Die Macht hat über das just–in–time der
Kommunikationslogistik entschieden. Geschwindigkeit und just–in–time bis zur (Über)Sättigung werden Attribute der Macht selbst.

Diashow

Im Zentrum der GeschwindigkeitIm Zentrum der GeschwindigkeitIm Zentrum der Geschwindigkeit

Die Aufhebung der natürlichen Hindernisse geht notwendig einher mit einer Banalisierung des Reisens, mit einer kosmopolitischen Uniformisierung der Transitorte und sogar der Reiseziele selbst, die sich in einer aus Piktogrammen und Elementarenglisch bestehenden "Sprache” artikuliert. Ob es einmal wie bei der Transsibirischen Eisenbahn, beim Simplon Orient Express, oder der Etoile du Nord eine Prosa des Eurostar geben wird?

Wolfgang Zurborn hat sich an zwei gleichermaßen bezeichnenden Momenten für diesen "Kompressionspunkt” von Bedeutungen der zeitgenössischen Welt interessiert. Entscheidend ist für ihn zum einen der Moment der Einweihung als Zusammenspiel öffentlichkeitswirksamer Projektion von Bildern und, wenn möglich, sonstiger überhöhender Einstimmungen – denn im Grunde ist ja ein Pendelzug nichts weiter als eine internationale U-Bahn. Das zweite Moment bildet die Cité de l’Europe, die ein ständiges Panorama des Kontinents sein will und sich in Form eines Einkaufszentrums darstellt.

Hätte man sich ein besseres Symbol ausdenken können?

Merkwürdige Reminiszenz: 1844 interessierte sich Turner mit seinem Gemälde Rain, Steam and Speed erstmalig für die Eisenbahn und ahnte damit schon die mit der Geschwindigkeit verbundene Veränderung der Wahrnehmung von Welt. Eine Welt flüchtiger Eindrücke, die für Monet und Pissaro zur Offenbarung werden sollte.

Im Zentrum der Geschwindigkeit

Rund um das zentralste Dispositiv des Hochgeschwindigkeitszugs hält dagegen Wolfgang Zurborn den just-in–time–Fluss der bewegten Bilder an, in denen wir leben. Dieses ironische Anhalten ist eminent politisch. Nicht mehr der Konsument, nicht der Kunstliebhaber, der Bürger ist verlangt.
Er braucht Zeit und Stille zum Denken.

Pierre Devin

Aus dem französischen übersetzt von Stefan Barmann

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Buchprojekt "drift"

Terra Incognita

Buchprojekt "dressur real"

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Im Labyrint der Zeichen

Menschenbilder - Bildermenschen

 

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