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Werkgruppen

Wolfgang Zurborn aus Mitten im Westen
Mitten im Westen (2009)
Eine Entdeckungsreise durch den Rhein-Sieg-Kreis
Wann gilt eine Landschaft, eine Region, ein Ort, ein Gebäude als sehenswürdig? Wann werden die Strassen auf der Landkarte grün untermalt und die Städte mit Sternchen versehen? Es scheint feste Kriterien dafür zu geben, nach denen wir einen Landstrich als malerisch empfinden, und die entscheiden, wie alt ein Gebäude sein muss, damit es unsere Aufmerksamkei verdient. In dieser globalisierten Welt verkürzt sich unsere Wahrnehmung einer Region auf wenige touristische Highlights.
Der Rhein-Sieg-Kreis liegt unmittelbar vor meiner Haustür, aber viele Orte, in denen ich für dieses Buch fotografiert habe, kannte ich vorher nur von den Ausfahrtsschildern auf der Autobahn. Die Arbeit an diesem Projekt wird für mich zur Entdeckungsreise in das Naheliegende. Das scheinbar Vertraute, Alltägliche entwickelt sich bei intensiver Betrachtung zu einem vielschichtigen Gebilde aus allgegenwärtigen Spuren einer ereignisreichen Geschichte in einer lebendigen Kulturlandschaft mit starken religiösen Prägungen im Sinne eines heiteren "Rheinischen Katholizismus". Die Vitalität des Rhein-Sieg-Kreises im Spannungsfeld zwischen traditionellen Strukturen und der Gegenwart einer modernen Medien- und mobilen Freizeitgesellschaft liefert komplexe Bildwelten, die in collageartigen Schichtungen ein Puzzle immer neuer Perspektiven erschließen.
China! Which China? (2006)
Die Spiele sind vorbei, das Spiel beginnt China ohne Regieanweisung: Wolfgang Zurborns hintergründige Fotografien aus Peking und Schanghai
Es ist sehr erholsam, nach all den inszenierten Bildern der Olympischen Spiele, nach all der arrangierten, retuschierten Wirklichkeit mit Wolfgang Zurborns anarchistischem Auge auf China zu schauen. Der Zufall führt Regie, die Botschaft ist verschlüsselt, der Sinn spielt Verstecken, der Monolith zerfällt in Einzelteile. Es ist weder ein aufdringlicher Blick hinter die Kulissen noch ein komplizenhafter Schulterschluss mit den Menschen, die endlich Individuen sein dürfen. Es ist weder die Wahrheit noch eine Entlarvung, sondern ein hintergründiges Dekonstruieren der Wirklichkeit. Zurborns großartige Fotografien geben uns Möglichkeiten, keine Antworten, sie sind Fallgruben für die Wahrnehmung und Ermunterungen zu Gedankenspielen...
Jakob Strobel y Serra in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 28.8.2008
Drift (1999 - 2005)
Die einzigartige Möglichkeit des Mediums Fotografie
besteht gerade darin,
im Dialog mit der Außenwelt immer wieder neu seine eigenen
Kriterien der Wahrnehmung in Frage zu stellen, um sie in einen
offenen Prozeß, in ein Experiment des Sehens zu überführen.
Losgelöst von jeglichem Anspruch, etwas beweisen zu wollen,
begreift sich diese Weltsicht als Teil einer dynamischen Wirklichkeit
und reflektiert die eigene Wahrnehmung als Konstruktion einer
von vielen möglichen Perspektiven. Mit meiner Fotografie
verfolge ich kein fest definiertes Ziel, ich lasse mich ein
auf eine Drift im Fluß der uns täglich
umgebenden Reize
und konstruiere mit dem Zusammenspiel der Bilder ein komplexes
Netz von Assoziationen, die den Betrachter sensibilisiert
für subtile Veränderungen von Wahrnehmungszuständen.
Diashow
LUsionen (2003)
Die Serie "LUsionen" ist im Rahmen des Ausstellungsprojektes
"5XLU" entstanden. Zur urbanen Recherche der Industriestadt
Ludwigshafen wurden vom dort ansässigen Kunstverein fünf
Künstler/innen eingeladen, sich ohne jegliche inhaltliche
Einschränkung fotografisch an die Stadt und ihre Bewohner
anzunähern.
Ludwigshafen zu fotografieren war für mich eine besondere
Herausforderung.
Neun Jahre bin ich dort zur Schule gegangen und so haben sich
viele Bilder in tiefen Schichten der Erinnerung eingeprägt.
Die Spannung besteht für mich darin, aus der subjektiven
Wahrnehmung heraus den urbanen Raum in fotografischen Bildern
zu einem Ort komplexer Erfahrung zu verdichten.
Das Image von Ludwigshafen ist nach außen hin fest definiert
durch seine Industrie. In meinen Bildern taucht sie nur am
Rande auf, als rauchender Schlot am Horizont oder als Spiegelung
von Containern in einem Schaufenster. In den Vordergrund dagegen
treten die Orte im öffentlichen Raum, an denen die Sehnsüchte
der Menschen und manchmal auch ihr Scheitern sichtbar werden.
(Aus dem Statement zu der Arbeit LUsionen
von Wolfgang Zurborn)
Diashow
Terra Incognita (2002)
Im Auftrag der Städtischen Bühnen Bielefeld entstand
im Frühjahr 2002
die Serie "Terra Incognita". Ein Projekt mit völliger
künsterischer Freiheit
zur Erkundung einer Theatralität des Alltags. Die Bühne
dieser Fotografien ist
die Stadt Bielefeld.
In herben, stellenweise bunt aufleuchtenden Farbkompositionen
blickt uns
der Alltag mit neuen Augen an. Perspektivisch angeschrägte
Ausschnitte und paradoxe Spiegelungen von Innen- und Außenräumen
lenken unsere Wahrnehmung auf die Rampen des öffentlichen
Lebens und führen uns gleichsam durch den geteilten Vorhang
und hinter die Prospekte, dorthin,
wo die Maschinerie der Stadt und das Arsenal ihrer Bühnentechnik
nur halb verborgen ist.
(Peter
V. Brinkemper)
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Diashows
dressur real (1986-2000)
Im Mai 2001 erschien im Jürgen Strauss Verlag in Potsdam
das Buch
"dressur real" mit 73 Fotografien aus den letzten
14 Jahren und einem Vorwort von Prof. Klaus Honnef.
Als Herausgeber startete er mit dieser Publikation eine Reihe
über zeitgenössische Fotografie mit dem Titel "Zeitsprung".
Der Kölner Fotograf Wolfgang Zurborn entzieht dem Betrachter
den Boden unter den Füßen. Trainiert darauf, Bilder
sofort zu entschlüsseln, scheitert der kläglich.
Zurborns Bilder sind absichtsvoll konstruierte Szenen mit
scheinbar falschen Aussagen: Lila Stoffkuh lebensgroß,
Entertainementpark Bottrop, Kölner Karnevalswagen, Golfanlage
in New York sie wollen ihren Sinn nicht preisgeben.
Zurborn isoliert Details, entzieht sie einer Perspektive des
Sinns und zeigt ihre künstliche Augenblicklichkeit. Geschickt
bedient er sich dabei des Lichts, das eine halluzinierende
Farbigkeit erzeugt, unterläuft traditionelle Ausschnitte,
arbeitet mit Unschärfe. Seine Welt, die sich aus den
schönen Mythen der Medien speist, ist einer schräger
Schauplatz. Nicht wir würden die Dinge anschauen, sondern
die Dinge uns, sagte einst Jacques Lacan.
(Peter Lindhorst im Kulturspiegel 6/2001)
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Im Zentrum der Geschwindigkeit (1994-96)
Der Bau des Tunnels unter dem Ärmelkanal ist das Symbol
für die Konstruktion Europas und die Erschliessung seines
Territoriums. Bei dieser Erschliessung stehen Hochgeschwindigkeitskommunikations
und Verkehrsnetze an privilegierter Stelle.
Im Auftrag des Centre Régional de la Photographie
Nord Pas-de-Calais haben sich im Zeitraum von über 10
Jahren 25 Fotografinnen und Fotografen mit den vielschichtigen
Veränderungen der Region beschäftigt und diese auf
ihre jeweils spezifische Weise interpretiert. Das Projekt
La Mission Photographique Transmanche signalisiert bereits
durch Autorennamen wie Josef Koudelka, Bernard Plossu, Martin
Parr, Lewis Baltz, Bruce Gilden oder Marilyn Bridges, wie
weit das stilistische Potential der bisher realisierten Serien
reicht.
Wolfgang Zurborn nahm sich nahezu archäologisch des Themas
an. Wie in einem geschichtlich-kulturellen Sediment grabend,
entdeckte er mit seiner Kamera alle wesentlichen Schichtungen,
die das konkrete Thema Tunnel beschreiben, er dokumentiert
jedoch auch die weit komplizierteren kulturgesellschaftlichen
Verflechtungen und Widersprüche.
(Denis Brudna in PHOTONEWS 11/1996)
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Im Labyrinth der Zeichen (1991-93)
Fragmente realer Alltagswelten werden zu Bildcollagen zusammengefügt,
so daß die Zeichen, Materialien, Flächen, Farben
und Linien über die Grenzen der einzelnen Bildsegmente
hinaus ihr eigenes Spiel beginnen. Der Sinn des Rätsels
besteht darin, daß es keine Auflösung gibt.
Vom visuellen Reiz der Bildzusammenstellungen angeregt, wird
der Betrachter gefordert, die Collagen zu lesen, die Fragmente
in seiner Vorstellungskraft zu ergänzen und das komplexe
Geflecht von inhaltlichen und formalen Bezügen mit eigenen
Wahrnehmungsmustern zu vergleichen.
"Was ist in diesen Bildern eigentlich real und was fiktiv,
was ist natürlich und was konstruiert"?
Diese Frage evoziert einerseits eine gesunde Skepsis gegenüber
dem Wahrheitsgehalt dokumentarischer Fotografie, macht andererseits
aber auch resistent gegenüber den suggestiven Wirkungen
von Bildern, die überwältigen wollen, indem sie
gezielt nur Emotionen ansprechen.
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Menschenbilder - Bildermenschen (1986 - 93)
Wolfgang Zurborn erforscht in seinem Projekt "Menschenbilder
Bildermenschen" den massiven Einfluß der
Bild- und Zeichenwelten auf den öffentlichen Raum, die
semiotische Symbiose von Signifikant und Mensch in der sozialen
Choreographie. Menschenbilder meint zunächst die Flut
von Einzeleindrücken und Gesamtwahrnehmungen, wie sie
in Massenveranstaltungen auf das Individuum niederprasseln,
seine Wahrnehmungs- und Handlungsfähigkeit betäuben
und einschränken. Fotografische Erkundungen, mitten im
Gedränge von Ritus, Zeremonie, Kult und Demonstration,
im Tumult von Wahlkampf und Endspiel, unterwegs in Prozessionen
und im Straßenkarneval, unter dem blankgefegten Himmel
eines Freizeitparks und beim Popkonzert.
(Peter V. Brinkemper in dem Katalog Otto-Steinert-Preis 1979-1998)
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